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Serie: Unsere LeinenLos-Gründer / Immer das Ohr an den Gästen: Yachthafenchefin Nicole Lasch

YachthafenStahlbrodeLangsam bewegt Nicole Lasch den Hebel des kleinen Portalkrans nach vorn. Das Angelboot, das vor ihr in starken Gurten über dem Wasser hängt, wirft einen Schatten auf das Führerhäuschen und ihr Gesicht. "Mit dem krane ich die kleinen Boote unserer Gäste noch selbst ein und aus. Alles andere muss Bertold mit unserem großen Mobilkran machen. Dafür habe ich keinen Schein", sagt die 45-Jährige lächelnd und deutet auf ihren Geschäftspartner Bertold Radel, der gerade grüßend vorübergeht. Seit etwa zwei Jahren betreiben sie gemeinsam den Yachthafen Stahlbrode – ein 24 Stunden-Job am Wasser.

 

Zuvor hatten beide in einem benachbarten Yachthafen gearbeitet, Bertold Radel als Hafenmeister – verantwortlich für alle technischen Belangen –, Nicole Lasch als gelernte Schifffahrtskauffrau im Büro. "Wir waren immer ein eingespieltes Team. Als sich die Eigentumsverhältnisse dort geändert hatten, wurde ich aber nicht mehr gebraucht im Büro, und Bertold wurde zunehmend unzufrieden. Da erinnerten wir uns daran, dass die Kommune schon lange einen Pächter für diesen Hafen hier suchte", erzählt Nicole Lasch, wie die Idee zur Firmengründung im Winter 2009/2010 entstanden ist. YachthafenNicoleLasch

 

Einige Zeit später waren sie selbst die Pächter, und mit der Wassersportsaison 2010 hauchten sie dem Hafenbecken als neu gegründete GmbH wieder Leben ein. Seither machen die rund 25 Sommerliegeplätze für Tages- und Dauerlieger und einem Freilager für die Wintersaison das Hauptgeschäft des Betreibergespanns aus. Alles ist das aber längst nicht. "Im Sommer bieten wir unseren Gästen noch das komplette Servicepaket", erklärt Lasch und zählt nacheinander auf, was dazu gehört: von den Kranarbeiten und der Vermietung von Park- und Trailerstellplätzen über einen Wäscheservice und Fahrradverleih bis hin zur Vermittlung von Ferienwohnungen und einen kleinen Shop mit Souvenirs, maritimer Kleidung, Fischbrötchen und Lebensmitteln für den täglichen Bedarf.

 

"Morgens bekommen unsere Gäste auch frische Brötchen bis an die Reling oder Ferienwohnung, am Nachmittag selbst gebackenen Kuchen und abends echte Thüringer Bratwürste. Und auch bei anfallenden Bootsreparaturen stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite und übernehmen sie, YachthafenKiosksoweit wir können", fügt Lasch noch hinzu, die gerade auf ihren "Rundum-Service", wie sie ihn selbst nennt, stolz ist und der auch vor den individuellen Wünschen des Gastes keinen Halt macht. "Wir organisieren so ziemlich alles, was sich der Gast von uns wünscht – ob ein Bringdienst zum nächsten Bahnhof oder Kartoffeln, die es vor Ort selbst nicht zu kaufen gibt. Sogar zu unmöglichen Zeiten", verspricht sie.

 

Die Gäste würden ihr am Ende Recht geben. Sie blieben drei Wochen statt einen Tag oder empfehlen anderen Touristen auf Rügen einen Abstecher in den Yachthafen Stahlbrode, um dort eines der leckeren Fischbrötchen zu kosten. Da wundert es fast ein bisschen, dass die gebürtige Bremerin noch Vollzeit in einem Vermessungsbüro beschäftigt ist. "Anders ist das finanziell einfach nicht möglich. Leben kann man von dem Yachthafengeschäft noch nicht", bedauert Nicole Lasch. "Von den Einnahmen erhalten momentan mein Partner und unsere Mitarbeiterin ihr Gehalt. Der Rest wird gleich wieder investiert. Da ist noch viel Bedarf."

Trotzdem will Lasch festhalten an ihrem selbsterklärten Ziel. Und an einer Lösung arbeitet sie längst. "Durch eineYachthafenWillkommenVerdopplung der Liegeplätze ließen sich die Einnahmen gewinnbringend vergrößern", ist sich die Kauffrau sicher. Deshalb wollen sie und Bertold Radel im nächsten Jahr einen weiteren Schwimmsteg samt technischer Ausstattung bauen. Die Partner hoffen dabei auch auf Unterstützung der Kommune. Und die des Existenzgründungsprojektes "LeinenLos". "Auf dem Weg zur Gründung waren unsere Berater jederzeit ein kompetenter Ansprechpartner, haben uns bei Konzept und Finanzierung sehr gut geholfen. Jetzt will ich gemeinsam mit ihnen schauen, was noch möglich wäre an weiteren Firmenaktivitäten zur Umsatz- und Gewinnsteigerung. Und ich selbst brauche eine erneute Risikoabwägung. Vielleicht kann ich mich ja doch bald ganz auf den Yachthafen konzentrieren
", sagt sie optimistisch und krant das Angelboot weiter aus.

 

Cornelia Teske - Virtus e. V.

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