Die Fahrradjäger: Erfrischende Newcomer des Abends
Das eigene Fahrrad haben sie wegen des starken Sturms zuhause gelassen. Stattdessen ließen Steffi Wulf (24), Martin Jäger (26) und Anton Marcuse (29), die vielleicht jüngsten Gründer des Abends, ihren digitalen Freund Tim über die riesige Leinwand im Ostsee-Saal des Radisson Blu Hotel fahren. Bis zum Haus seiner Freunde, in dem Tim eine Party besucht. „Sein treuester Begleiter wartet so lange geduldig davor“, erklärt Steffi. „Doch am nächsten Tag der Schock“, vertreibt Martin die harmonische Stimmung schlagartig. „Das Rad ist weg.“
Nein, es ist keine polizeiliche Präventionsveranstaltung am Rande der landesweiten Gründermesse. Das junge Trio stellt gerade seine Geschäftsidee vor, die im Februar an den Start gehen soll und einen prägnant-warnenden Firmennamen bekommt. „Wir sind die Fahrradjäger!“ hallt es über das Mikro durch den Saal. Und das heißt nichts anderes als dass jeder, der sein gestohlenes Fahrrad sucht und ein Stück weit internetaffin ist, demnächst nicht mehr auf das Fahndungsglück der Polizei angewiesen ist. Denn bisher können laut Steffi in Deutschland nur drei Prozent aller 1,5 Millionen Fahrraddiebstähle jährlich tatsächlich auch aufgeklärt werden. „Doch ab sofort ist Schluss damit“, verspricht sie.
Denn auf ihrem Internetportal www.fahrradjäger.de könne bald jeder sein Bike anmelden und zur Suche freigeben – und zwar kostenfrei. „Das ist das Grundkonzept. In einem halben Jahr wollen wir dann auch weitere Dienste anbieten. Dazu gehört unter anderem eine Mitgliedschaft, die sich von der Basismitgliedschaft deutlich entscheidet und mit erheblichen Vorteilen ausgestattet ist“, erklärt Martin, wie sie mit der wohl „verrücktesten“ Gründeridee – wie auch Moderator Frank W. Schmidt beeindruckt zugibt – ihre Brötchen verdienen wollen.
Unter diesem Druck steht momentan aber nur der Berliner Partner Anton, als freiberuflicher Webdesigner und Programmierer der derzeit einzige Berufstätige des Trios. Die beiden Rostocker Steffi und Martin sind als Studenten der Universität Rostock eingeschrieben. In ihrer Wohngemeinschaft entstand im März 2011 schließlich auch die Idee. „Nach Diebstahl meines inzwischen fünften Rades“, sagt Martin noch heute sichtlich angefressen und damals desto motivierter, auch bei seiner Kommilitonin und WG-Partnerin Gehör für seine Idee zu finden.
Anfangs habe die 24-Jährige noch Zweifel gehabt, aber mit der zunehmenden Umsetzung seien sie verflogen. „Jetzt hat man endlich das Gefühl, dass man selbst auch etwas tun kann“, sagt Steffi überzeugt. Nicht zuletzt komme ihnen dabei auch die regelrechte Smartphone-Flut entgegen. „Jetzt ist eine echt günstige Zeit für die Fahrradjäger“, so Martin, der sogar schon einen fertigen Businessplan vorweisen kann. Fehle nur noch das nötige Knowhow in Buchhaltung und Akquise, zu dem die „LeinenLos“-Berater von Virtus verhelfen könnten. „Letzte Woche waren wir auf Empfehlung eines Bekannten schon zu einem Erstgespräch dort“, so Steffi.
Cornelia Teske - Virtus e.V.
